signet von  der Gemeinde Möglingen

Neugestaltung der Hospizarbeit in Asperg, Markgröningen, Möglingen und Tamm

Am 01.04.2024 hat die Hospizgruppe Nördliches Strohgäu ihre Arbeit aufgenommen!

Medienbanner Hospizgruppe Nördliches Strohgäu

Rückblick und Ausgangslage

In den 90-ziger Jahren bildeten sich in den Orten des Landkreis Ludwigsburg die ersten Sitzwachen- und Hospizgruppen. Die Gruppen wurden in der Regel über die Kirchengemeinden oder Pflegedienste (Diakoniestationen etc.) koordiniert. Von den ursprünglich 26 Hospizgruppen, sind Stand heute noch 16 Hospizgruppen geblieben. In Markgröningen hatte sich die Hospizgruppe 2021 aufgelöst. Die Hospizgruppen Asperg-Möglingen und Tamm waren von der Auflösung stark gefährtet.

Die Ökumenische Hospizinitiative sieht die Zukunft der Hospizbewegung in größeren, regionalisierten Verbünden. Es gilt ehrenamtliche Mitarbeit zu bündeln und die Koordination hauptamtlich zu organisieren. 2021 begleitete die Hospizinitiative bereits den Prozess im Bottwartal und übernahm 2022 die Trägerschaft für die Hospizgruppe Steinheim-Murr-Erdmannhausen. Um die Hospizarbeit auch in den Orten Asperg, Markgröningen, Möglingen und Tamm weiterhin sicherzustellen initiierte die Ökumenische Hospizinitiative Anfang 2023 den Prozess im nördlichen Strohgäu, mit Vertreterinnen und Vertretern aus den Hospizgruppen, Kommunen, Gemeinden, Unterstützerinnen und Unterstützern sowie Pflegeeinrichtungen.

Prozess

Die Hospizgruppen sind im Versorgungsnetzwerk aller, die mit sterbenden Menschen und ihren Familien zu tun haben, ein wichtiger Partner. Die Interessensgemeinschaft sah die Notwendigkeit des gemeinsamen Handels und beschloss den Neustart in den Orten. Um das hospizliche Ehrenamt zu stärken wurde in 4 Veranstaltungen (in jedem Ort 1 Veranstaltung) für das Ehrenamt geworben. Im Oktober 2023 startete der Kurs zur Vorbereitung auf das Ehrenamt (Begleitung schwerstkranker und Sterbender Menschen) mit 15 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Gleichzeitig wurden die vorbereitenden Maßnahmen zur Zusammenführung der bisherigen Hospizgruppen, sowie der organisatorischen und vertraglichen Ausgestaltung der Kooperation, fortgeführt. Mit der Beauftragung im Gottesdienst in der Johanneskirche Möglingen am 10.03.2024 und mit der offiziellen Vertragsunterzeichnung am 19.03.2024 ist der Prozess abgeschlossen.

Ab dem 01.04.2024 hat die neuformierte Hospizgruppe Nördliches Strohgäu mit 28 Ehrenamtlichen unter der Trägerschaft der Ökumenischen Hospizinitiative ihre Arbeit zum Wohle sterbender Menschen und ihren An- und Zugehörigen aufgenommen.

Unterstützer der Hospizgruppe Nördliches Strohgäu sind

- Evangelische Kirchengemeinde Asperg

- Katholische Kirchengemeinde St. Bonifatius Asperg

- Krankenpflegeverein Asperg e.V.

- Stadt Asperg

- Evangelische Verbundkirchengemeinde Markgröningen-Oberriexingen

- Katholische Kirchengemeinde Heilig-Geist Markgröningen

- Stadt Markgröningen

- Krankenpflegeverein Markgröningen e.V.

- Evangelische Kirchengemeinde Möglingen

- Katholische Kirchengemeinde St. Maria Möglingen

- Gemeinde Möglingen

- Evangelische Kirchengemeinde Tamm

- Katholische Kirchengemeinde St. Petrus Tamm

- Stadt Tamm

- Krankenpflegeverein Tamm e.V.

- Förderverein Kleeblatt Tamm e.V.

- Ökumenische Hospizinitiative im Landkreis Ludwigsburg e.V.

Ökumenische Hospizinitiative im Landkreis Ludwigsburg e.V.

Die Ökumenische Hospizinitiative ist ein Ambulanter Hospizdienst in Ludwigsburg und im Landkreis. Als eingetragener Verein (e. V.) richtet sich die Hospizinitiative ambulant an Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die von Krankheit, Sterben, Tod und Trauer betroffen sind. Kulturelle, eth(n)ische oder religiöse Wurzeln spielen keine Rolle: Der Wille der sterbenden Menschen ist maßgeblich.

Die Träger sind der evangelische Kirchenbezirk Ludwigsburg, das katholische Dekanat Ludwigsburg, die Caritasregion Ludwigsburg-Waiblingen-Enz, der Kreisdiakonieverband Ludwigsburg und die Stiftung Karlshöhe Ludwigsburg.

Den Vorstand bilden derzeit:

Vorsitzender: Lothar Rücker (Kirchenbezirksrechner Evangelischer Kirchenbezirk Ludwigsburg)

Stellvertretender Vorsitzender: Marc Dressel (Caritasregion Ludwigsburg-Waiblingen-Enz)

Geschäftsführendes Vorstandsmitglied: Hardy Sauer (Geschäftsführung)

Hospizarbeit betrachtet das Sterben als Teil des Lebens. Allen Menschen soll ein würdevolles Sterben an einem selbst bestimmten Ort in einer Atmosphäre der persönlichen Achtung und Akzeptanz ermöglicht werden. Die Hospizbewegung sieht den Hospizdienst und die Trauerbegleitung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Der Verein wird deshalb bewusst zu einem erheblichen Teil über Spenden finanziert.

Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Wir werden durch qualifiziertes Ehrenamt und Hauptamt getragen und begleiten ausschließlich psychosozial und ergänzend zu einem multiprofessionellen Team.

Unsere dreizehn hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kommen im Schwerpunkt aus der Seelsorge, Sozialen Arbeit, oder aus dem Pflegefach. Sie koordinieren die Einsätze und stehen als qualifizierte Hospizfachkräfte und Referentinnen bzw. Referenten den Menschen zur Seite.

Unsere rund 150 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind für den Einsatz im Hospizdienst ausgebildet. Sie werden von unseren hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern betreut und nehmen regelmäßig an Fortbildungen und Supervisionen teil.

Immer in Bewegung

1995 wurde mit dem Freundeskreis Hospiz der Grundstein für die Hospizarbeit in Ludwigsburg gelegt. Schon ein Jahr später folgte die Gründung des Vereins mit der ersten Geschäftsstelle in der Gartenstraße. Mit der Aufbau des ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienstes für den gesamten Landkreis 2017 reagierte der Verein auf die besonderen Herausforderungen bei den betroffenen Familien. Seitdem werden die Angebote stetig weiterentwickelt.

Im Jahr 2021 übernahm der ambulante Erwachsenenhospizdienst mit der Hospizgruppe Steinheim-Murr-Erdmannhausen zum ersten Mal eine Trägerschaft im Landkreis Ludwigsburg. Im Jahr 2023 begleiteten 13 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie 50 Ehrenamtliche im Kinder- und Jugendhospiz rund 170 Familien. In der Erwachsenenhospizarbeit übernahmen 90 Ehrenamtliche rund 140 Begleitungen.

2024 feiert die Hospizinitiative 10. Jahre Kinder- und Jugend- und 5 Jahre Erwachsenentrauerarbeit.

Zum 01.04.2024 übernimmt die Hospizinitiative mit der Hospizgruppe Nördliches Strohgäu (Asperg, Markgröningen, Möglingen, Tamm) eine weitere Trägerschaft im Landkreis.

Die Palliativversorgung und Hospizarbeit im Landkreis Ludwigsburg

1.    Ambulante Hospizgruppen

16 ambulante Hospizgruppen gibt es aktuell noch im Landkreis. Ihr Schwerpunkt ist die psycho-soziale Begleitung von schwerstkranken und sterbenden Menschen und ihren Angehörigen an dem Ort, wo sich diese Menschen befinden. Die Begleitung wird von darauf vorbereiteten Ehrenamtlichen übernommen.

Die Hospizgruppen im Landkreis sind ganz unterschiedlich aufgestellt und groß, von 3 Ehrenamtliche, die eine Gruppe bilden, bis hin zur Gruppe zu 80 in Ludwigsburg. In Bietigheim-Bissingen, Kornwestheim, Ludwigsburg und Sachsenheim gibt es hauptamtliche Hospizfachkräfte, die die Einsatz- und Gruppenleitung innehaben, alle anderen Gruppen sind ehrenamtlich organisiert.

In §39a SGB 5 ist die Förderung der Hospizarbeit durch die Krankenkassen sichergestellt. An die Förderfähigkeit sind einige Grundvoraussetzungen geknüpft, die gerade kleinere Gruppen nicht erfüllen können.

2.    Ambulante Pflegedienste

Zahlreiche ambulante Pflegedienste gibt es im Landkreis LB. Neben den Diakonie-Sozialstationen auch überregional arbeitende private Pflegedienste. Viele dieser Dienste haben Palliative-Care-Fachkräfte in ihren Teams, die speziell bei Palliativpatienten und sterbenden Menschen die Versorgung übernehmen oder beratend im Team tätig sind.

3.    SAPV  (= Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung)

2007 schaffte der Gesetzgeber den Anspruch auf SAPV bei entsprechenden Symptomen,  gleichwohl dauerte es noch mehrere Jahre, bis diese hochspezialisierten Teams bereit standen und ihre Arbeit beginnen konnten.  Im Landkreis LB gibt es ein solches Team seit 2011. Es ist angegliedert an das Klinikum LB und arbeitet im ganzen Landkreis. In diesem Team stehen rund um die Uhr Palliativmediziner und Palliative-Care-Pflegefachkräfte plus weitere Professionen, die ergänzend hinzu gezogen werden können (wie z.B. Seelsorger, Psychoonkologen, Krankengymnasten, Kunsttherapeutin, …) zur Verfügung.  Dieses Team kann sowohl in die privaten Häuslichkeiten als auch in die Pflegeeinrichtungen als Ergänzung zu den bereits vorhandenen Versorgern gehen.

4.    Alten- und Pflegeeinrichtungen

Auch sie haben zunehmend Palliative-Care-Fachkräfte in ihren Teams um diese Fachexpertise im eigenen Haus zu haben.

5.    Palliative Stationen

Das Klinikum Ludwigsburg verfügt über due einzige eine Palliativstation mit 13 Betten im Landkreis.

6.    Stationäres Hospiz

Das einzige stationäre Hospiz im Landkreis in Bietigheim-Bissingen hält 12 Betten vor.

Autor: Hardy Sauer, Geschäftsführer der Ökumenischen Hospizinitiative im Landkreis Ludwigsburg e.V., Solitudestraße 12, 71638 Ludwigsburg