Energetische Stadtsanierung


Am 13. Juli 2017 berichteten Ulrich Ramsaier und Rainer Wegscheider vom Ingenieurbüro Schuler im Gemeinderat über den aktuellen Stand im Sanierungsmanagement Löscher.
Nahwärmeversorgung zu ersetzen. Dazu waren und sind umfangreiche Untersuchungen erforderlich. Die Gesetzeslage und die gesunkenen Energiekosten auf dem Weltmarkt machten es sehr schwierig, eine wirtschaftliche Lösung zu finden. Erst die Änderung des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetztes (KWK Gesetz) am 16.Dezember 2016 brachte die Wende.

Nun lässt sich im Wohngebiet Löscher eine umweltfreundliche, wirtschaftlich attraktive Nahwärmeversorgung aufbauen. Grundlage wäre eine Heiz-Zentrale im Gewerbegebiet Unholder Weg. Dort würde ein Blockheizkraftwerk (in einer späteren Ausbaustufe auch zwei BHKW) Wärme erzeugen und Strom produzieren. Die Wärme würde zur Beheizung und Warmwasserbereitung in den Geschoßwohnbauten zur Verfügung gestellt, der Strom würde an der Leipziger Strombörse verkauft werden.

Damit dies möglichst effizient geschieht, nämlich immer dann ,wenn der Strompreis hoch, das heißt der Verkaufserlös gut ist, muss die Anlage dann laufen, wenn andere erneuerbare Energien, wie Windkraft und Fotovoltaik wenig Strom liefern können, also früh am Morgen oder am Abend. Damit aber immer ausreichend Wärme für die Wohnungen bereit steht, wird zusätzlich zum BHKW ein 200.000 Liter Wärmespeicher aufgebaut. Die Wärme wird dort gespeichert und kann so rund um die Uhr abgerufen und verteilt werden.

Diese Art der BHKW-Nutzung ist hoch effizient und ökologisch sinnvoll, da die Produktion von Wärme und Strom sich nach dem Bedarf richten. Es entsteht keine überschüssige Wärme – wie zum Beispiel in großen Kraftwerken – und durch die schnelle Regelung der BHKW Motoren, werden diese innerhalb weniger Minuten angefahren oder abgeschaltet. Je nachdem, ob Strom verkauft werden kann, oder nicht.
Die technische Lösung wäre nun gefunden, der Standort im Unholder Weg würde sich auf einem der freien Baugrundstücke realisieren lassen.

Nun geht es darum, Kunden für diese Art der Wärmeversorgung zu gewinnen. Das Büro Schuler hat deshalb mit den Hausverwaltungen Kontakt aufgenommen, die schon zu Beginn der Untersuchungen Interesse angemeldet hatten. In einer Begehung der Gebäude und Untersuchung der Heizanlagen wurde der Wärmebedarf ermittelt und die Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt. In fünf Anlagen entsteht in nächster Zeit Handlungsbedarf. In diesen Gebäuden stehen Sanierungs- oder Neubaumaßnahmen im Heizungsbereich an. Bei einer Änderung der Heizungsanlage muss – laut Gesetz – auch ein Anteil von 15% erneuerbare Energien verwirklicht werden. Was für die Geschoßwohnbauten eine wirkliche Herausforderung ist. Der Anschluss an eine Fernwärmeleitung und an ein Blockheizkraftwerk würde diese Anforderung erfüllen, ein weiterer Vorteil der Nahwärmeversorgung.
Eines der fünf untersuchten Objekte ist der Neubau der VR-Bank in der Hohenstaufenstraße. Die VR-Bank ist an der Nahwärmeversorgung stark interessiert und ist bereit, die Planung für das Gebäude auf die Versorgung abzustimmen. Damit wäre ein erster Kunde für die neue Lösung im Wohngebiet Löscher gefunden. Wenn weitere Hausverwaltungen mitmachen, könnte in einem ersten Schritt eine Heizzentrale mit einem 950 kW Blockheizkraftwerk realisiert werden. Damit lassen sich rund 2,4 Millionen Kilowattstunden (kWh) Wärme produzieren. Der Kernbereich des Löscher zum dem acht weitere Geschoßwohnbauten gehören würde sogar 8 Millionen kWh Wärme benötigen. Also ist ein weiterer Ausbauschritt möglich. Beginnen sollte die Nahwärme aber erst einmal mit den Gebäuden mit dem größten Handlungsbedarf.

Nachdem Ingenieur Wegscheider die technische Seite vorgestellt hatte, führte Ulrich Ramsaier die Gemeinderäte noch zum Thema „Investor“ und „Betreiber“. Beides Fragen, mit denen sich der Gemeinderat in weiteren Sitzungen befassen muss. Grundsätzlich kann der Investor die Gemeinde sein, es könnte aber auch eine private Gesellschaft (z.B. ein Energieversorger) oder eine Bürgerenergiegenossenschaft sein. In einer Genossenschaft könnte die Bürgerschaft in Möglingen sich selbst an der Verwirklichung und am wirtschaftlichen Erfolg der Nahwärmeversorgung beteiligen. Bürgerenergiegenossenschaften sind in vielen ökologischen Energieerzeugungsanlagen üblich, wie zum Beispiel Windkraftanlagen oder Fotovoltaikanlagen.
Der Betreiber einer solchen Nahwärmeversorgung muss eine Gesellschaft mit Erfahrung in der Nahwärmeversorgung sein. Der Betrieb erfordert ein hohes Maß an Knowhow, damit die Anlage hocheffizient läuft und wirtschaftlich erfolgreich ist. Herr Ramsaier brachte die BENE (Bürger Energie Neckar Enz) in die Diskussion ein, die auch in Vaihingen-Gündelbach die Nahwärmeversorgung betreibt.

In der anschließenden Diskussion zeigten sich die Gemeinderäte zufrieden, dass es nun gelingen kann, eine Nahwärmeversorgung in Möglingen im Wohngebiet Löscher aufzubauen. Auf Nachfrage, wie es denn mit der früheren Konzeption aussehe, auch vom Schulzentrum aus den Löscher – quasi von zwei Seiten her – zu versorgen, machte Herr Ramsaier deutlich, dass in einer ersten Ausbaustufe der Löscher mit seinem großen Potential erschlossen werden müsse. Im weiteren Verlauf, wenn der Löscher Ausbau vorankommt, ist wieder an eine Verknüpfung mit dem Standort an der Schule denkbar. Um wirtschaftlich beginnen zu können, werden die großen Verbraucher im Wohngebiet Löscher gebraucht.
Auf Nachfrage erklärte Herr Ramsaier, dass nach der Sommerpause die Berechnungen zu den Kosten und zur Wirtschaftlichkeit vorliegen werden. Auch das technische Konzept wäre dann fertig. Bis dahin muss auch der Standort im Unholder Weg geprüft werden. Bürgermeisterin Schwaderer kündigte an, im Herbst mit einem abgestimmten Vorschlag für den Standort im Unholder weg ins Gremium zu kommen.

Das Ingenieurbüro Schule wird durch Herrn Wegscheider dann auch der Eigentümergemeinschaften in den untersuchten Objekten konkrete Vorschläge inklusive Kosten machen können.

Fortschrittsbericht 13.07.2017


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